Elisabethkirche Gröbern

 

Von Gräfenhainichen kommend grüßt diese Kirche mit ihrer mächtigen barocken Turmhaube und der offenen Laterne schon aus der Ferne. Wenn man innerhalb des Dorfes den Zugang zur Kirche gefunden hat, was wegen der fast vollständigen Umbauung nicht ganz einfach ist, gelangt man zu einer romanischen Kirche, die ihre jetzige Formensprache allerdings nach dem 30-jährigen Krieg erhalten hat (Jahreszahl 1689 erhalten). Heute betritt man die Kirche, indem man einen in den 1970er Jahren vorgebauten Gemeinderaum durchschreitet, um dann durch eine schmale, niedrige und spitz zulaufende Türöffnung von Norden her einzutreten.

Der nahezu quadratische Kirchenraum ist sehr klein, wirkt aber sofort sympathisch und schutzgebend. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kirchen, bei denen der Turm im Westen steht, um von der Nachtseite her (Untergehen / „Sterben“ der Sonne) das Böse abzuwehren, steht in Gröbern der Turm im Osten, auf der Lichtseite (ex oriente lux). Und im Turm befindet sich dann natürlich auch der Altar, weil wir uns als Christen zum Licht hin ausrichten – also nach Osten hin -, weil das Licht des Ostermorgens uns sagt: Christus ist auferstanden! Um nun dort hinzugelangen, geht man durch einen mächtigen, spätromanisch-frühgotischen Spitzbogen. Die gesamte Wandstärke des Turmes wird daran sichtbar und beeindruckt. Doch die Schwere in der Form wirkt leicht, weil man Geborgenheit empfindet.

An der Vorderseite des Durchgangs befindet sich der Kanzelkorb, den man aus dem Gefüge des spätbarocken Kanzelaltars entnommen und so tatsächlich besser platziert hat im Sinne der kommunikativen Situation zwischen Prediger und Gemeinde.

Der Altar wirkt sehr schlicht. Oben entdecken wir 4 Schnitzfiguren. In der Mitte Christus am Kreuz – vermutlich aus der Zeit des Wiederaufbaus 1689. Zudem drei spätgotische Figuren eines alten Altarschreins. Unter dem Kruzifix sehen wir Maria mit dem Kind. Links Jakobus d.Ä. und rechts Elisabeth von Thüringen, die in ihren Händen einen Wasserkrug und einen Brotkorb trägt. Sie ist es dann auch, die jetzt dieser Kirche ihren Namen gegeben hat, da sie uns daran erinnert, füreinander einzustehen, barmherzig zu sein und die Not der geringsten Schwestern und Brüder zu lindern (vgl. Mt 25). (Projekt Namensgebung: siehe auch hier)

Einen ganz bemerkenswerten Schatz unbekannter Herkunft (und damit wissen wir auch nicht, wer dieses Kunstwerk geschaffen hat) haben wir mit einem Glasfenster, das in der Türöffnung des Kanzelaltars seinen Platz gefunden hat (ehemals also die Tür zum Kanzelkorb). Es ist eine ausdrucksstarke Darstellung der Geburt Jesu. Maria hat den Knaben auf dem Arm, beide sehen sich liebevoll an. Links und rechts stehen Josef und ein Hirte. Und der Stern von Bethlehem sendet sein strahlendes Licht kegelartig von oben herab auf Maria und Jesus. Ochs und Esel, sowie vier Engel – zwei oben, zwei unten – sind ebenfalls auf diesem Werk vom Anfang des 20. Jhd. (?) zu sehen.

Die bleiverglasten Fenster der Kirche sind neu und haben eine schlichte Musterung aus schmalen senkrechten Streifen, die sowohl aus klarem als auch zart gefärbtem Echt-Antikglas in grau und gelb geschnitten sind. Dr. Holger Brülls vom Landesamt für Dankmalpflege in Halle hat die Fenster für uns entworfen. Hinzu kommt das runde Fenster im Gemeinderaum mit Kreuzsymbolik aus klaren, grauen und tiefroten Echt-Antikgläsern.

Die Orgel von Conrad Geißler aus dem Jahr 1886 (op. 97 / 1 Manual / 7 Register) fügt sich vom Klang her großartig in diese Kirche ein.

Die eine Bronzeglocke stammt aus der Zeit um 1500.

Pfr. Albrecht Henning