Auferstehungskirche Rösa

 

Das Kirchenschiff (um 1200) und der Turm (15.Jhd.) der Auferstehungskirche Rösa ragen im Dorfzentrum von Rösa majestätisch in den Himmel. Sie ist von einem schönen Kirchhof umgeben, dem ehemaligen Friedhof des Dorfes. Auf dem weitläufigen Gelände stehen Linden, Robinien und Eichen, so dass man gleich das Gefühl hat, einen wohltuenden Ort zu betreten.

Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn das Dorf samt Kirche, Schloss und Park dem Vorhaben eines geplanten Braunkohletagebaus hätte weichen müssen. Gott sei Dank kam es anders. Die Pläne wurden zu den Akten gelegt. Aber weil es damals in den 70er und 80er Jahren aus eben diesen Planungsgründen kein Baumaterial und keine Bauerlaubnis für die Kirche gab, verfiel diese immer mehr und war Ende der 80er Jahre nicht mehr nutzbar und fast zur Ruine geworden. Als es dann zumindest eine Bauerlaubnis gab, spendete die Partnergemeinde aus Unnau im Westerwald die Dachziegel (Biberschwänze) und die Arbeiten begannen 1988 mit einem enormen ehrenamtlichen Einsatz. Über die Wendezeit hinweg wurde gebaut und die Wiedereinweihung konnte 1993 festlich begangen werden.

In den Jahren danach gab es etliche kleine Veränderungen, die aber dennoch von enormer Tragweite waren und sind. Es trat nämlich nach Jahrzenten (vielleicht sogar Jahrhunderten) des Vergessens eine Figur in unser Blickfeld, die fortan den Kirchenraum prägen sollte – der spätgotische Christustorso (um 1510). Zusammen mit einer Heiligenfigur – vermutlich Maria Magdalena darstellend (ebenfalls um 1510) und einem Abendmahlsbild (ehemals das Bild in der Predella des Kanzelaltars / datiert mit 1611) – lag dieser lange auf dem Dachboden im Pfarrhaus Pouch und wurde mit dem Wechsel des Ortes Rösa in den Pfarrbereich Krina nach Rösa zurückgebracht.

Alle drei Objekte wurden restauriert (gereinigt und vorsichtig an wenigen Stellen retuschiert) und bekamen einen Platz in der Kirche. Das Abendmahlsbild hängt nun im Kirchenschiff an einer Seitenwand, Maria Magdalena steht in einer großen Nische in der Nordwand des Altarraumes. Und ihr gegenüber – an der Südwand des Altarraumes – hat der Christus seinen neuen Ort gefunden. Schnell wurde deutlich, dass er – obwohl ein Torso (keine Arme, kein Kreuz dahinter, Fehlstellen an Kopf und Dornenkrone, am Lendentuch und an den Füßen) – die eigentliche Mitte unserer Kirche ist.

Und von diesem Christus aus wurden weitere Elemente des Raumes von einem ortsansässigen Künstler gestaltet. Zunächst entwarf Sven Göttsche das Apsisfenster hinter dem mächtigen Blockaltar mit seiner alten Sandsteinplatte. Es ist ein „Osterfenster“ und bezieht sich in seiner künstlerischen Aussage und Gestaltung eindeutig auf die Christusfigur. Im Jahr 2009 wurde es durch die Glaswerkstatt Schneemelcher / Quedlinburg geschaffen und vor Ort eingebaut. Hinzu kamen noch das bronzene Altarkreuz (Entwurf von Sven Göttsche 2012 und Bronzeguss von Steffen Ahrens / Rumpin 2013) und die beiden Altarleuchter (Entwurf von Sven Göttsche 2014 und Bronzeguss von Steffen Ahrens / Rumpin 2016), die ebenfalls mit der Christusfigur und nun auch mit dem neuen Fenster im „Gespräch“ stehen. (www.schneemelcher.de/ www.bildhauerhof-rumpin.de/steffen-ahrens-2/)

 

Ein Artikel in der Mitteldeutschen Zeitung: "Unendlichkeit leuchtet auf - Künstler Sven Göttsche macht in der kleinen Rösaer Kirche die nicht darstellbare Auferstehung erlebbar"

 

Wendet man sich nun vom Altar zum Kirchenschiff hin, dann schaut man über den wunderbaren historischen Ziegelfußboden aus roten und weißen Steinen hinweg auf die gotische Taufe.

Am westlichen Ende des Kirchenschiffes, über dem sich der stattliche Turm erhebt, erblickt man die restaurierte Orgel des Torgauer Orgelbauers Johann Christian Friedrich Flemming aus dem Jahr 1791/92, die bei einem Manual insgesamt 12 Register besitzt.

Steigt man den Turm hinauf, kann man zwar einen hoch aufragenden eichenen Glockenstuhl bestaunen – die Glocken allerdings sucht man hier vergebens. Auf Grund statischer Probleme sind diese in einem Glockenstuhl vor der Kirche untergebracht. Bis ins Jahr 2021 werden hier noch die beiden in Apolda gegossenen Eisenhartguss-Glocken aus dem Jahr 1958 per Hand geläutet. Beide Glocken werden allerdings bald ihren Dienst beenden, denn der Glockenstuhl wird 2021 vollständig saniert und dann ein dreifaches Bronzegeläut aufnehmen, welches zum einen aus einer historischen Bronzeglocke aus Rösa (15. Jhd.) besteht und zum anderen durch zwei Bronzeglocken komplettiert wird, die aus der 2020 entwidmeten Bauermeister-Gedächtnis-Kirche in Bitterfeld / Deutsche Grube stammen (gegossen 1906 und 1922 in Apoda).

Pfr. Albrecht Henning